8. September 2006 Ausgabe 36/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kulturnachrichten

Die 63. Filmfestspiele von Venedig

Internationales Kino am Lido

   
© La Biennale di Venezia  

 

Seit 1932 zieht es fast jedes Jahr Filmfreunde und Kinoenthusiasten, Schauspieler und Regisseure zwischen Ende August und Anfang September nach Venedig. Als Teil der »Biennale di Venezia« - jener internationalen Kunstausstellung, zu der die Lagunenstadt seit 1895 im Zweijahresturnus einlädt - finden dort die ältesten und traditionsreichsten Filmfestspiele Europas statt. Im Mittelpunkt des bereits zum dritten Mal von Marco Müller verantworteten cineastischen Rummels steht der Wettbewerb um den »Goldenen Löwen« - einer dem tierischen Wahrzeichen der Stadt nachempfundenen Auszeichnung für den besten Film des Jahres. Begleitet wird dieses Festivalgeschehen von einem umfangreichen Rahmenprogramm, das sich am Lido seit jeher von den Einflüssen Hollywoods abzugrenzen und eine bewusst internationale Alternative aufzuzeigen versucht.

Warten auf den Löwen

Am 09. September wird Film-Diva Catherine Deneuve in ihrer Rolle als Jury-Präsidentin den Sieger des Goldenen Löwen bekannt geben. Eröffnet hat das Rennen um den begehrten Hauptpreis des Wettbewerbs Brian de Palmas Literaturverfilmung »The Black Dahlia« - ein laut Christina Nord (taz) »geradlinig-harter Film noir", der allerdings kaum überzeugen konnte und für Peter Zander (Die Welt) etwa »reines Genre-Kino [ist], das zuweilen am eigenen Bombast erstickt«. Überhaupt bot das Festivalprogramm laut Daniel Kothenschulte (FR) »Zumutungen jeder Art«. Eine erfreuliche Ausnahme dürfte Alfonso Cuaróns Science-Fiction-Drama »The Children of Men« darstellen, das Wolfgang Höbel (Spiegel online) als »sensationellen Coup« feiert. Einen Goldenen Löwen - den für sein Lebenswerk - hatte schon vor seiner Anreise Kultregisseur David Lynch sicher, der in Venedig außer Konkurrenz seinen neuen Film »Inland Empire« vorstellte. Dieser konnte die Kritiker zwar überzeugen, hat sie letztlich aber auch ratlos zurückgelassen. Wie in ein »Labyrinth«, wie in einen »Traum, wo die Geräusche der Außenwelt sich in den Schlaf drängen und man ihnen ohnmächtig ausgeliefert ist, weil sie sich nicht abstellen lassen«, fühlte sich Michael Althen (FAZ) versetzt. Doch trotz der verzweifelten Suche nach einem inneren Zusammenhang strahlten die Bilder eine unbestreitbare Faszination aus. Im Vorfeld ebenso als Höhepunkt gehandelt wurde die Weltpremiere von Oliver Stones »World Trade Center«. Doch gerade aufgrund solcher Filme droht Venedigs Traditionsfestival, so Petra Reski (Die Zeit), die Gefahr aus Rom, wo am 12. Oktober mit dem »Feste del Cinema« ein üppig budgetiertes Gegenfestival startet: Kultur scheine nämlich in Venedig nur noch in Form von »Wasserglasmusik aus Nowosibirsk, Karnevalsmasken und Disney-Filmproduktionen« gefragt zu sein.

Architektur

Brückenstreit in Dresden

Weg durch die Instanzen

Im Streit um den Bau Waldschlößchenbrücke hat das Dresdner Kommunalparlament beschlossen, wenn nötig bis vor die Verfassungsgerichte zu gehen. Ein neu beantragter Bürgerentscheid fand nicht die nötige Zwei-Drittel-Mehrheit. Zudem forderte die UNESCO Vermittlungsgespräche mit der Stadt. Zuletzt hatte das Regierungspräsidium Dresdens vor dem Oberverwaltungsgericht Beschwerde eingereicht gegen den Stopp der Auftragsvergabe für die umstrittene Elbquerung.

Musical

Bestes Film-Musical gekürt

Abstimmung

Das amerikanische Musical »Singin' in the Rain« (1952) führt nach einer Einschätzung des renommierten American Film Institute die Liste der besten Musical-Filme aller Zeiten an. Auf den weiteren Plätzen folgen »West Side Story« (1961), »The Wizard of Oz« (1939), »The Sound of Music« (1965) und »Cabaret« (1972). Unter den besten 25 Filmen konnten sich auch neuere wie der Oscar-prämierte Film »Chicago« (2002) sowie  »Moulin Rouge« (2001) platzieren.

Literatur

Ehrung für Imre Kertész

Ernst-Reuter-Plakette

Der ungarische Literaturnobelpreisträger Imre Kertész ist mit der Berliner Ernst-Reuter-Plakette ausgezeichnet worden. Kertész' enger Bezug zu Berlin, wo er zuletzt an seinen Roman »Liquidation« arbeitete, sei »ein Zeichen für Versöhnung und Dialog, das er als Überlebender von Auschwitz und Buchenwald gesetzt« habe. Zu den bekanntesten Werken des 1929 geborenen Budapesters gehört sein autobiografischer »Roman eines Schicksallosen« (1996).

Jazz & Pop

Dewey Redman gestorben

Pionier des Free Jazz

Der amerikanische Jazz-Saxofonist Dewey Redman ist im Alter von 75 Jahren in New York gestorben. Der gebürtige Texaner galt als einer der facettenreichsten Improvisatoren des Free Jazz. Er spielte unter anderem mit Charlie Haden, Keith Jarrett und Ornette Coleman, mit dem ihm seit High-School-Zeiten eine enge Freundschaft verband. Zusammen spielten beide unter anderem die Alben »New York Is Now!«, »Love Call« und »Science Fiction« ein.

sr