18. August 2006 Ausgabe 33/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kulturnachrichten

Das 59. Filmfestival von Locarno

Besucherrekord

   
© Januzzi Smith  

 

Das 59. Filmfestival im schweizerischen Locarno war das erste unter der künstlerischen Direktion von Frédéric Maire, der als Nachfolger der Italienerin Irene Bignardi das kleinste der großen europäischen Filmfestivals zu einem Besucherrekord führte. Mit 192.000 Besuchern verbuchte man zwischen dem 02. und 12. August 4000 Eintritte mehr als im Vorjahr. Dass dies trotz einer Reduzierung der gezeigten Filme von rund 250 auf nur noch 170 möglich war, lag wohl vor allem daran, dass die Piazza Grande im Vergleich zum Vorjahr rund 10.000 Besucher mehr unter den schweizerischen Sommerhimmel locken konnte. Neben politisch engagiertem Kino kam zudem die ganze Bandbreite des modernen Films auf die Leinwand: von ambitionierter Videokunst bis hin zum botschaftsfreien Actionfilm.

Schwacher Jahrgang

Den Hauptpreis des Festivals - den begehrten Goldenen Leoparden - gewann in diesem Jahr die schweizerisch-deutsche Koproduktion »Das Fräulein« und ihre Regisseurin Andrea Staka. Den Leoparden für die beste Darstellerin bekam Amber Tamblyn für ihre Rolle in »Stephanie Daley«. Als bester Darsteller wurde Burghart Klaußner für seine Rolle in Dito Tsintsadzes »Der Mann von der Botschaft« ausgezeichnet - ebenso eine deutsche Produktion wie der Film »Verfolgt« von Angelina Maccarone, der im neu geschaffenen Wettbewerb »Cinéasten der Gegenwart« zum Sieger gekürt wurde. Für seinen Film »So lange du hier bist« bekam Stefan Westerwelle eine besondere Erwähnung in der Konkurrenz der Erstlingswerke. Florian Henckel von Donnersmarcks »Das Leben der Anderen« erhielt den Publikumspreis und komplettierte damit das ausgezeichnete Abschneiden deutscher Filme. Als bester Regisseur wurde Laurent Achard für »Le dernier des fous« ausgezeichnet. Insgesamt hat das Festival eher verhaltene Reaktion hervorgerufen. Alexandra Stäheli (NZZ) lobt zwar seine »entspannte, angenehme Atmosphäre« und die neue programmatische Orientierung als ein »Festival der Entdeckungen neuer kinematographischer Sprachen«, bemängelt aber auch, dass »sich die Suche des Festivals nach jungen Avantgardefilmen manchmal in allzu angestrengt nach Kunst lechzenden Werken verfing.« Auch Peter Claus (Die Welt) ist kritisch: »nahezu alle Filme boten Einschläferndes zum Dauerthemenkreis 'Einsamkeit, Entfremdung, Entwurzelung des Einzelnen'«. Locarno bestätigte, was andere Filmfestivals dieses Jahres längst offenbart haben: Das Gute ist zur Zeit rar im weltweiten Kino.« Darüber hinaus ist laut Anke Leweke (taz) speziell in Locarno festzustellen, dass der eigentliche Charakter des Festivals, das als »Talentscout« lange Zeit ohne »Glamour, Blitzlicht oder einen roten Teppich« auskam, zugunsten einer gehörigen Portion »Premierenfirlefanz« verloren gehe.

Jazz & Pop

Duke Jordan gestorben

Klaviervirtuose

Der amerikanische Jazzpianist Duke Jordan ist am 08. August 74-jährig in einem Vorort von Kopenhagen gestorben. Der 1922 in Brooklyn geborene Musiker wurde vor allem als Begleiter des legendären Bebop-Altsaxophonisten Charlie Parker bekannt und war darüber hinaus maßgeblich an der Entwicklung des virtuosen Modern Jazz beteiligt. Als Komponist machte sich Jordan etwa als Schöpfer der Jazz-Standards »Jordu« und »No Problem« einen Namen.

Festivals

Wiener Philharmoniker in Salzburg

Vertragsverlängerung

Die Wiener Philharmoniker werden das offizielle Orchester für die Salzburger Festspiele bleiben. Ein für die Jahre 2007 bis 2011 geschlossener Vertrag regelt ausdrücklich, dass zukünftig dieselbe Besetzung sowohl die Proben als auch die ersten zwei Aufführungen einer Oper spielen muss. Um Kritikern eines durch den Einsatz von »Aushilfen« beschädigten Klangs entgegenzutreten, werde in Zukunft niemand mehr spielen, der nicht das gesamte Stück geprobt hat.

Kunst & Ausstellung

Gera als »Otto-Dix-Stadt«

Profilgebung

Gera will sich als fortan als »Otto-Dix-Stadt« profilieren. Wie Oberbürgermeister Norbert Vornehm erklärte, stehe in einem neuen Kulturmarketing-Konzept Gera als Geburtsort des Malers und Grafikers Otto Dix (1891-1969) im Mittelpunkt. Der expressionistische Maler, der zu den ersten Künstlern überhaupt gehörte, den die Nationalsozialisten als Vertreter »entarteter Kunst« verunglimpften, soll auch einen Platz bei der Bundesgartenschau im kommenden Jahr finden.

Literatur

Siegfried Lenz erkrankt

Notoperation

In einer dreieinhalbstündigen Notoperation haben Ärzte des Allgemeinen Krankenhauses in Hamburg-Altona dem Schriftsteller Siegfried Lenz das Leben gerettet. Der 80-Jährige war in der vergangenen Woche mit einer schweren Bauchentzündung in die Klinik gekommen und sofort operiert worden. Mittlerweile gehe es ihm wieder gut. Seit dem Welterfolg »Deutschstunde« (1968) gehört Lenz zu den großen Schriftstellern der deutschen Nachkriegsliteratur.

sr