6. Januar 2006 Ausgabe 01/2006 zurück blättern | Kurzüberblick | Inhalt | weiter blättern
Kulturnachrichten

Das Wichtigste der Woche

Klassik

Neujahrskonzert in Wien

Ausnahmsweise Mozart

   
© Wikipedia

Mit der Ouvertüre zur »Hochzeit des Figaro« haben die Wiener Philharmoniker mit der Tradition des Neujahrskonzerts  gebrochen und zu Ehren seines 250. Geburtstages eine Komposition des Jubilars Wolfgang Amadeus Mozart gespielt. Das auf diese Weise eingeläutete Mozartjahr, das weltweit unzählige Veranstaltungen zu Ehren des Salzburger Meisters nach sich ziehen wird, ruft jedoch keineswegs nur Begeisterung hervor. So beklagt die italienische Mezzosopranistin Cecilia Bartoli die zunehmende Kommerzialisierung des Mozartgedenkens: »Nach den vielen Mozartkugeln ... und dem Mozartbier wird es unserer kollektiven Mozart-Leber ... sehr schlecht gehen.»

Architektur

Weltwunder der Neuzeit

Wahl per Internet

Seit dem Jahr 2000 hat eine Fachjury nach den »Sieben Weltwundern der Neuzeit« gefahndet. Aus nahezu 200 von Menschenhand geschaffenen, architektonisch wie kreativ herausragenden Bauwerken und Monumenten wählten die Experten 21 Finalisten für die Nachfolge der im 2. vorchristlichen Jahrhundert gekürten antiken Weltwunder aus. Die endgültige Entscheidung soll in einer bis Ende des Jahres andauernden Internetabstimmung gefunden werden. Zur Wahl stehen unter anderem das Opernhaus von Sydney, Schloss Neuschwanstein, die Akropolis, das Taj Mahal, Stonehenge, der Kreml, die Chinesische Mauer  und die Freiheitsstatue.

 

Klassik

639 Jahre Orgelmusik

So langsam wie möglich

Am 5. Januar wurde der zweite Akkord des in seiner Aufführug auf 639 Jahre angelegten Orgelstücks »As slow as possible« von John Cage angeschlagen. Die 1987 für Orgel umgearbeitete Komposition wird seit dem 5. Juli 2005 aufgeführt und von dem Bau der dazugehörigen Orgel in der Burchardikirche zu Halberstadt begleitet. Den nächsten Tonartenwechsel wird es am 5. Mai geben. Der dann angestimmte Akkord wird bis zum Jahr 2008 ausgehalten werden. Angesichts unserer schnelllebigen Zeit soll das kuriose Vorhaben eine Form der versuchten Entschleunigung, der »Entdeckung der Langsamkeit« auch auf musikalischem Gebiet sein.

Theater

»Deutscher Herbst« im Kanzleramt

Politisches Theater

   
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Unter dem Titel »Herbst 77 - Sechs Wochen im Kanzleramt« inszeniert das Schauspielhaus Bonn ab Ende Januar die politischen Ereignisse um die Entführung der »Landshut«. Am 13. Oktober 1977 kaperten palästinensische Terroristen die Lufthansa-Passagiermaschine mit dem Ziel, aufgrund der Entführung und Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer inhaftierte RAF-Mitglieder frei zu pressen. Zu diesem Anlass macht Regisseur Michael Neuwirth das Bonner Kanzleramt - seinerzeit Schauplatz der Krisensitzungen und Entscheidungen - zur Theaterbühne und verleiht seiner Inszenierung auf diese Weise ein Höchstmaß an Authentizität.

Kunst & Ausstellung

Michael Blumenthals 80. Geburtstag

Feier am Jüdischen Museum

Michael Blumenthal, der Leiter des Jüdischen Museums in Berlin, feierte in der vergangenen Woche seinen 80. Geburtstag. Der ehemalige US-Finanzminister, zu dessen berühmtesten Vorfahren der Komponist Giacomo Meyerbeer gehört, ist seit acht Jahren in Berlin tätig und machte das Museum mit jährlich etwa 700.000 Besuchern zu einem der erfolgreichsten in Deutschland. Der SPD-Vorsitzende Matthias Platzeck würdigte Blumenthals Beitrag »zur Aussöhnung der Judenheit mit den Deutschen«, für den das Jüdische Museum ein »besonders beeindruckendes Beispiel« sei.

 

Literatur

Doktorwürde für Reich-Ranicki

Ehrung aus Tel Aviv

Nach Uppsala, Augsburg, Bamberg, Düsseldorf, Utrecht und München wird nun auch die Universität Tel Aviv Marcel Reich-Ranicki die Ehrendoktorwürde verleihen. Der Festakt wird am 2. Februar in Frankfurt am Main - der Partnerstadt Tel Avivs - stattfinden und soll Reich-Ranickis Leistungen für die Literatur im Allgemeinen und für die Universität in Tel Aviv im Besonderen würdigen. Die Laudatio wird Joschka Fischer halten. Bereits am 9. Januar nimmt der Literaturkritiker den Ehrendoktor der Freien Universität Berlin entgegen.

sr