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Schauspielhaus Bochum
Theater unter Tage
Königsallee 15
44789 Bochum
Kartentelefon
0234 - 33335555
| Titel | Angebot und Nachfrage |
|---|---|
| Autor | Roland Schimmelpfennig |
| Regie | Jan Langenheim |
| Termine | 04./07./17./20. November 2005 |
Inhalt
Flucht in Fantasiewelten
Das Stück handelt von dem über 60-jährigen Joseph, seiner deutlich jüngeren Lebensgefährtin Ruby und dem, was die beiden verbindet: ihre Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt. Um den Gesetzen von Angebot und Nachfrage zu entkommen, flüchten die beiden Antihelden in eine Welt aus Kino- und Fernsehbildern. Dort geht es um Autos, Liebe und feuerspeiende Drachen, die Joseph und Ruby mit Helm und Schwert bekämpfen. Am Ende steht ein Aufbruch. Die beiden entwickeln ihren eigenen Film, zu dem nur sie Zugang haben.
Besonderheit
Konkurrenz im Ruhrgebiet
Als Nachfolger von Matthias Hartmann hat Elmar Goerden zu Beginn dieser Spielzeit die Intendanz des Schauspielhauses Bochum übernommen. Nachdem die Eröffnungspremieren vielfach als wenig überzeugend bewertet wurden, steht für das Bochumer Schauspielhaus der Ruf als bestes Theater der Region auf dem Spiel. Während nun auch »Angebot und Nachfrage« von der Kritik nicht positiv aufgenommen wurde, schlug den Nachbarbühnen Essen, Dortmund und Oberhausen in letzter Zeit viel Wohlwollen entgegen.
Kritikenspiegel
Geschlossene Regisseursrüge
Das Urteil der Kritiker im deutschsprachigen Feuilleton fällt für den Autor des Stücks, Roland Schimmelpfennig, günstiger aus als für die Leistung des Regisseurs Jan Langenheim. In der WamS stellt Andreas Wilink fest: »Roland Schimmelpfennig lauscht wie ein Seismograph Erschütterungen nach.« Er schaffe - so Thomas Thieringer (SZ) - einen »schönen, manchmal fast poetischen Text über ein brennend aktuelles Thema.« Stefan Keim (Die Welt) bemerkt, dass Arbeitslosigkeit an deutschen Theatern derzeit ein Trendthema sei und Roland Schimmelpfennig »dazu den bisher radikalsten Text geschrieben« habe. Regisseur Jan Langermann allerdings »kann mit diesem Text nicht umgehen. Er lässt die Aufzählungen von Filmbildern langsam deklamieren, ihnen nachsinnen, als handele es sich um hohe Literatur.« In der FR hält Stefan Keim zudem fest: »'Angebot und Nachfrage' ist ein gutes Stück. Doch für Schimmelpfennigs wortverliebte, im Schweren stets ganz leichte Sprache muss ein Regisseur eine klare Form finden.« Eben das gelänge nicht, »obwohl die beiden Schauspieler Katja Uffelmann und Manfred Böll mit viel Konzentration gegen das langsame Einschlafen des Publikums ankämpfen«. In der FAZ schreibt Andreas Rossmann: »In sechsundzwanzig Szenen ... errechnet 'Angebot und Nachfrage' große Verluste im Kleinen: Am entlegenen Modell wird von der Verarmung der Welt erzählt.« Schimmelpfennigs Stück beginne »mit Schmackes«, resümiert der Kritiker. »Das Thema ist explosiv«, heißt es weiter, »doch es zündet nicht nach den überlieferten sozialdramatischen Mustern.« Letztendlich sei »die Wucht des Anfangs schnell und folgenlos verpufft«. Die Regie - so Thomas Thieringer (SZ) - hätte das auffangen können, doch diese lasse »den Text ... immer nur lieb in der Konvention illustrieren: Theater unter seinen Möglichkeiten.«
Biografisches
Roland Schimmelpfennig
*1967 in Göttingen, studierte Regie an der Otto-Falkenberg-Schule und war an den Münchner Kammerspielen als Autor, Dramaturg und Regisseur tätig. Seit 1996 ist er als freier Autor äußerst produktiv. Die Uraufführungen von »Die ewige Maria« und »Keine Arbeit für die junge Frau im Frühlingskleid« fanden noch im selben Jahr statt. Es folgten Stücke wie »Aus den Städten in die Wälder, aus den Wäldern in die Städte« und »Fisch um Fisch«, das 1997 mit dem Else-Lasker-Schüler-Förderpreis ausgezeichnet wurde. Von 1999 bis 2001 war Schimmelpfennig als Dramaturg an der Berliner Schaubühne und dort - ebenso wie später am Deutschen Schauspielhaus Hamburg - als Hausautor beschäftigt. »Die arabische Nacht« und »Push Up 1-3« wurden an deutschen und ausländischen Bühnen gespielt. Von »Angebot und Nachfrage« liegt schon seit 2002 eine Hörspielversion vor.
Ähnliche Werke
Mit der Chancenlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt wird sich an deutschen Bühnen erwartungsgemäß stark auseinandergesetzt. Fritz Katers »Drei von fünf Millionen« über Arbeitslose in den 1930er Jahren hat Hochkonjunktur und Moritz Rinkes »Café Umberto«, das von Begegnungen in der Cafeteria eines heruntergekommenen Arbeitsamtes handelt, ist an mehreren großen Bühnen zu sehen. Geht man wie Andreas Willink in der WamS davon aus, dass »Angebot und Nachfrage« »vom Ausverkauf der Werte und davon [handelt], dass Humankapital nicht mehr im Geschäft ist«, dann lässt Schimmelpfennigs Stück sich durchaus mit der Theaterarbeit des Berliner Autors und Regisseurs René Pollesch vergleichen. Auch dieser beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Konsumgesellschaft auf das Individuum.



