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| Titel | Die Vermessung der Welt |
|---|---|
| Autor | Daniel Kehlmann |
| Verlag | Rowohlt, Reinbek |
| Genre | Roman |
| Seiten | 304 |
| ISBN | 3-498-03528-2 |
| Preis | 19,90 Euro |
Inhalt
Unverständnis der Genies
Im Jahr 1828 treffen sich der Mathematiker Carl Friedrich Gauß und der Naturforscher Alexander von Humboldt in Berlin, reden aber aneinander vorbei. »Die Vermessung der Welt« erzählt die Lebensgeschichten der berühmten Zeitgenossen, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Während Humboldt durch Südamerika reist, und die Welt tatsächlich vermisst, bewegt sich Gauß nur ungern von seinem Schreibtisch weg. Die Welterkundung des Mathematikers findet in seinem Kopf statt, wo er zu nicht minder bahnbrechenden Erkenntnissen kommt.
Besonderheit
Exzentrische Charaktere
Im Mittelpunkt des an der wahren Geschichte angelehnten Romans von Daniel Kehlmann stehen zwei Exzentriker. Die Unterhaltsamkeit bezieht er aus der Lächerlichkeit seiner antagonistischen Charaktere. Der Weltentdecker Humboldt trennt sich auch bei größter Hitze nicht von seiner preußischen Uniform und hält sich stets an die Regeln der Höflichkeit. Das Wunderkind Gauß hingegen entwickelt sich zum ausgewachsenen Griesgram, der regelmäßig ins Bordell geht, weniger intelligente Menschen verachtet und öffentlich flucht.
Kritikenspiegel
Große Erzählkunst
»Die Vermessung der Welt« wird durchweg als spannend, unterhaltsam und geistreich eingeschätzt. »Daniel Kehlmann ist ein echter Erzähler. Der Geschichten liebt und erzählen kann«, meint Volker Weidermann (FAS). Es sei ein »spannender wie lehrreicher Roman, der gewagt und spielerisch mit historischen Fakten umgeht«, schreibt Sebastian Domsch (taz). Einen lakonischen Humor und die Kunst des Weglassens machen der Mehrzahl der Kritiker zufolge Kehlmanns Stil aus. Das Verblüffendste sei, dass der Autor völlig prunklos erzähle, bemerkt der Spiegel. Es gebe »keine Hierarchien, keine großen Spannungsbögen, keine raffinierten Plots«. »Lakonische Gelehrsamkeit und fein dosierte Clownerie« findet Franz Haas (Der Standard) in dem Werk. Dabei mache es nichts aus, dass sich Kehlmann nicht immer an die historische Wahrheit hält. Ijoma Mangold (SZ) sieht das Weglassen als entscheidendes Charakteristikum der Erzählung. »Kehlmanns Buch baut sich aus vielen kurzen, anekdotenhaften Situationen auf, die er mit wenigen, aber entschiedenen Strichen zeichnet.« Die Beiläufigkeit des Romans berge allerdings ein Problem, heißt es im Spiegel: »Das große Treffen, auf das doch alles hinausläuft und das doch alles übergipfeln sollte, versandet in einem mäßigen vorrevolutionären Schabernack«. Volker Weidermann (FAS) meint, Kehlmanns Roman sei ein wenig zu vorsichtig geschrieben, da sich der Autor doch sehr um wissenschaftliche Wahrheit bemüht habe. »Die Wut, die Boshaftigkeit, der Furor ... fehlen im neuen Buch.« Doch das sind die einzigen Wermutstropfen im allgemeinen Lob auf einen gelungenen Unterhaltungsroman.
Biografisches
Daniel Kehlmann
* 1975 in München, ist schon jetzt eine erzählerische Größe. Der Sohn des Regisseurs Michael Kehlmann wuchs in Wien auf und studierte dort Philosophie und Literaturwissenschaften. Im Jahr 2001 war er Gastdozent an der Universität Mainz. Bereits während seines Studiums, mit 22 Jahren, debütierte er mit »Beerholms Vorstellung«. »Die Vermessung der Welt« ist sein fünfter Roman, außerdem erschien ein Erzählband. »Ich und Kaminski« aus dem Jahr 2003 wurde in zwölf Sprachen übersetzt und gilt als internationaler Erfolg. Kehlmann erhielt verschiedene Förderpreise und Stipendien, zuletzt den Candide-Preis der Stadt Minden. »Die Vermessung der Welt« steht auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises.
Ähnliche Werke
Daniel Kehlmanns Vorbilder sind Vladimir Nabokov, John Updike und Gabriel García Márquez - anerkannte literarische Größen. Von García Márquez habe er gelernt, Geschichten wegzuwerfen, das heißt, so zu erzählen, als seien die Geschichten stets im Überfluss vorhanden. Jede Geschichte ließe sich so auf wenige Sätze verknappen, um sich dann einer neuen zuzuwenden. Mit »Die Vermessung der Welt« setzt Kehlmann seine bisherige Thematik fort, auch in früheren Werken haben Naturwissenschaft, Mathematik und Kunst eine wichtige Rolle gespielt. Verglichen wird Kehlmann mit Hans-Ulrich Treichel, der in »Tristanakkord« die Geschichte eines fiktiven berühmten Komponisten erzählt und dabei den eigentlichen Blick auf Allzumenschliches wirft.
jb



